Oder wer bin ich wirklich

Alejandro González Iñárritu – ein Regisseur, dessen Filme ungefähr so anspruchsvoll und vielschichtig sind, wie sein Name für den normalen Mitteleuropäer aussprechbar sind.

Der Cast

Dies natürlich im positiven Sinne.

Er schafft es nämlich Geschichten zu erzählen, die etwas mitteilen wollen, dessen Botschaft aber oft mehrdeutig ausfallen und verschieden interpretiert werden (Filme wie Babel, Biutiful, 21 Gramm, etc.).

Birdman entführt uns in das Epizentrum von Riggan Thompson (Michael Keaton), der sich der scheinbar wahren Herausforderung des Schauspiels – dem Theater – zuwendet.

Nach seiner erfolgreichen Blockbuster-Karriere Ende der 80er und Anfang der 90er speziell in der Rolle des titelgebenden Helden Birdman sucht er nach Anerkennung – bei den Kritikern, bei seiner Tochter, seiner (Ex?)-Frau, vor allem scheinbar bei sich selbst. Um Birdman zu bekämpfen – um sich selbst zu befreien von Birdman

Michael Keaton, Naomi Watts, Zach Galifianakis

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Die Rolle scheint auf Micheal Keaton’s Vita hin geschrieben zu sein, hat er doch einen ähnlichen Weg eingeschlagen (steile Karriere in den 80ern/90ern speziell mit Batman und dann doch leichtes Abflauen des Erfolges). Insgesamt stellt dieser Film einen Blick auf das Schauspiel dar, wie ist es eigentlich hinter den Kulissen, was macht den Unterschied zwischen wahrer Persönlichkeit und der Bühnenpräsenz.

Speziell Edward Norton ist es gelungen, dass man eigentlich nie weiß, was echt ist und was falsch. Bekommt er in seiner Beziehung seit einem halben Jahr keinen mehr hoch, steht er geradezu seinen Mann auf der Bühne mit der selben Frau, weil es sich einfach echt für ihn anfühlt.

Birdman oder Riggan?

Dieses Verhältnis, zwei total verschiedene Rollen auszuleben und zu spielen, lebt Mike Shiner (Edward Norton) hier komplett aus und präsentiert es der Welt gerade zu.

Riggan Thompson (Michael Keaton) hingegen durchlebt dieses Spiel hingegen anders, nicht auf der Bühne – hier kann er deutlich unterscheiden zwischen Leben und Schauspiel – seine Bühne ist sein Kopf.

Emma Stone

Seine Rollen sind Riggan Thompson und Birdman – nur Zuschauer gibt es hier nicht. Es ist mehr wie ein innerer Kampf.

Die Frage, wer von beiden gewinnt, darf jeder für sich beantworten. Der Film zeigt uns den Weg dahin.

Sehr schön mit anzusehen war auch die geniale Schnitttechnik, die dem aufmerksamen Zuschauer suggerierte, der Film wäre quasi in einem Take gedreht worden. Man fühlte sich immer irgendwie mittendrin – wir stehen auf der Bühne neben den Schauspielern und in der Garderobe vor dem Spiegel. Es macht einfach Spaß, erschafft eine Welt, in der immer was los ist und alles parallel abläuft.