In den USA erfreut sich der Football Sport allergrößter Beliebheit, wie man das bei uns nur vom Fußball kennt. Die Filmtreibenden haben diese Einnahmequelle auch schon seit Jahren für sich entdeckt.

Mit „Draft Day“ wurde jetzt ein Film über das gleichnamige Großereignis verfilmt. Das entsprechende Drehbuch befand sich sogar auf der „Black List“ der besten bisher nicht produzierten Drehbücher eines Jahres. Dabei stand es sogar an oberster Stelle. Mit Superstar Kevin Costner („Robin Hood – König der Diebe„) wurde dazu noch ein passendes Zugpferd verpflichtet.

Sonny Weaver Jr. („Kevin Costner“) ist der Manager der Cleveland Browns und das nicht gerade erfolgreich. Dazu kommt, dass sein geliebter Vater vor kurzem gestorben ist, der auch als Trainer der Browns fungiert hat, bis ihn Sohn Sonny entlassen hat. Als wäre Sonnys Kampf um das Überleben des Teams nicht schon schwer genug, erfährt er von seiner Freundin Ali („Jennifer Garner“) zu allem überdruss, dass er Vater wird. Und das alles auch noch kurz vor dem entscheidenden Draft Day. Hier ergattern die Football-Teams vor der Saison die Spieler für die neue Saison. An diesem Tag hängt alles von seiner Zukunft ab, da der Eigentümer des Vereins Sonny ein Ultimatum stellt, dass er seinen Job verlieren werde, wenn er  beim Draft Day nicht erfolgreich sein sollte. Für Sonny wird es ein Tag, der ihm alles abverlangt.

Auch Terry Crews ist mit von der Partie

Mit NFL-Lizenz

Der Superbowl ist wohl eines der größten Sportereignisse auf der Welt, wenn nicht sogar das Größte. Jedes Jahr geraten die Amerikaner in einen wahrlichen Ausnahmezustand, wenn das Endspiel um die NFL Meisterschaft ansteht. Bei „Draft Day“ geht es diesmal nicht um ein Team, welches die Saison überstehen muss, sondern wie zu Beginn der Saison die talentiertesten Jungspieler der Colleges und Universitäten erworben werden. Dieses Szenario ist sehr erfrischend. „Moneyball“ hatte es vor einigen Jahren vorgemacht, dass die Sportfilme auch abseits von Spielszenen interessant sein können. Auch bei „Draft Day“ gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine Sportszenen zu sehen. Hier wird viel Wert auf die Verhandlungen unter den einzelnen Mannschaften gelegt, sowie über die Absprachen innerhalb der Scouting-Abteilung. Durch „Draft Day“ bekommt man einen realistischen und nüchternen Eindruck über die Geschehnisse hinter dem ganzen Glanz und Glamour des Spektakels. Es ist nicht nur für Sportfans interessant zu sehen, wie Menschen über den Tisch gezogen oder knallhart Transfers vollzogen werden. Sicher war „Moneyball“ intensiver und detailierter aber auch „Draft Day“ hat seine Momente. Gerade wie die Hauptperson Sonny zu Beginn einen Kuhhandel um den nächsten Star Quarterback eingeht und sich am Ende auf geschickte Weise revanchiert ist schon sehr spannend gemacht. Gerade das Ende ist schon ein ziemlicher Genuss und zeigt was alles bei dem Draft möglich ist!

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Film die Rechte der NFL gewinnen konnte. Daher konnten die Original Namen der Teams verwendet werden und auch an Original Schauplätzen gedreht werden. Somit konnte sogar in den Original Stadien gedreht werden. Weiterhin durfte das Filmteam beim Original Draft ihre Kameras neben den der ganzen Fernsehteams positionieren. Vorher war es noch nie möglich gewesen, die NFL mit ins Boot zu holen. Dieses unterstreicht nochmal die Authentizität des Films und macht den Film realistischer.

Eigentlich ist Kevin Costner beim Baseball zuhause

Allerdings ist auch „Draft Day“ nicht frei von Fehlern. Von den Kritikern auch nicht gerade wohlwollend aufgenommen, besitzt das Skript des unerfahrenen Autorenduo Scott Rothman und Rajit Joseph zu viele Klischees. Zum Einen wäre da der arrogante Nachwuchs Star Quarterback, der sich als Blender entpuppt oder das Happy End. Zum Anderen bremsen die Nebenhandlungen um die Beziehung zwischen Sonny und seiner Flamme Ali das Tempo des Films ziemlich aus. Hier wäre weniger mehr gewesen. Der Zuschauer hätte sich hier mehr Informationen darüber gewünscht, was sich noch so alles hinter den Kulissen abspielt. Leider ist der Film auch nicht frei von Längen, die gerade im Mittelteil das Ganze durchaus langatmig erscheinen lassen. Immerhin fängt sich der Film rechtzeitig und kann mit der einen oder anderen witzigen Szene das ganze auflockern. Im Großen und Ganzen wurde hier allerdings sehr viel Potenzial ungenutzt gelassen. Dem Zuschauer wird hier ein oberflächiges Drama präsentiert. Denn im Grunde ist der Film ein Paradebeispiel für einen Hollywood Film, der in erster Linie nur unterhalten soll. Was ihm jedenfalls auch recht ordentlich gelingt.

Die Hauptrolle mit Kevin Costner zu besetzen war keine schlechte Entscheidung. In seiner Vita tummeln sich so einige Sportfilme wie „Tin Cup“,“Aus Liebe zum Spiel“ oder der Klassiker „Feld der Träume“. Costner ist daher erfahren was das Subgenre angeht. Seine Rolle spielt der alte Haudegen auch solide herunter. Nach einigen katastophalen Flops hat der sympathische Darsteller wieder zurück in die Spur gefunden. Zur Seite steht im Jennifer Garner („30 über Nacht“,“Alias“) die mit ihrer entspannten Art den Film zu ein wenig Charme und Lockerheit verhilft. Ihr Schauspiel ist ebenfalls ansprechend. In einer größeren Nebenrolle darf Denis Leary („Rescue Me“,“Ice Age“) sich wilde Diskussionen mit Costner geben und kann durchaus als verärgerter Head Coach überzeugen. Ansonsten wird dem Zuschauer ein beeindruckender Cast an Nebencharakteren geboten. Hier drücken sich Chi McBride („Terminal“), Kevin Dunn („Transformers“), Brenda Bletyn („Der Exorzist“), Tom Welling („Smallville“), Frank Langella („Frost/Nixon“), Sean Combs („Männertrip“) und Ex-Footballspieler Terry Crews („Expendables“) die Klinke in die Hand. Mit Shootingstar Chadwick Boseman, der schon mit dem Sportdrama „42“ begeistern konnte und bald als Marvels „Black Panther“ für Furore sorgen wird, hat man ebenfalls noch einen guten Darsteller mit ins Boot geholt.

Elektra ist auch dabei

Die Regie übernahm der Komödienspezialist Ivan Reitman („Freundschaft Plus“), der mit den zwei „Ghostbusters“ Teilen für Kultfilme gesorgt hat und in den 80ern für einige Hits wie „Twins“ oder „Kindergarten Cop“ verantwortlich war. In den letzten Jahren ist es um den erfahrenen Regisseur eher ruhig geworden. Er hatte sich mehr auf das Produzieren beschränkt und seinem Sohn Jason Reitman („Up in the Air“) unter die Arme gegriffen, der ihm mittlerweile den Rang abgelaufen haben dürfte. Dabei ist seine Regie durchaus akzeptabel. Durch das Splitscreen Verfahren wurden die Verhandlungen intensiv dargestellt. Dafür dass Reitman nicht in seinem Metier zu Hause ist, schlägt er sich doch ganz wacker. Allerdings kann er auch keine wirklichen Höhepunkte präsentieren.