Gravitation!

Ein Film, gemacht für das Kino als Erlebnis – visuelle wie akustisch.

Hier ist alles irgendwie groß, der Soundtrack, die Bildgewalt, die Geschichte.
Und es ist Hollywood, hier erschafft es seine Daseinsberechtigung.

Interstellar nimmt dich an die Hand und drückt dich einfach in deinen Sitz,
brennt dich nieder mit Emotionen, mit visuellen Effekten (kein Gewackle á la Michael Bay), mit Hans Zimmer an der Orgel.

Kurz gesagt, stellt der Film ein Kinoerlebnis dar, wie es sein sollte.
Diese 3 Stunden sind einfach toll.

Dieser Film funktioniert auch deshalb so gut, weil er nicht erst eine neue Welt erschaffen muss,
ein anderes Universum mit einer eigenen Kultur  und Geschichten (wie. Z.B. Jupiter Ascending oder Star Wars).

Wir erleben die Momente, in denen diese Geschichte geschrieben und diese Kultur begründet wird.
Die Erde ist dabei, seine Kinder zu fressen („la revolution manger ses propres fils“ um mal auf die Französiche Revolution zu verweisen), fast jeglicher wissenschaftliche Fortschritt wurde der Selbsterhaltung und Ernähung der menschlichen Rasse untergeordnet und das Ende ist nah, da entweder die Nahrungsmittel oder der Sauerstoff ausgehen werden.

„Wir sollen die Erde nicht retten – wir sollen sie verlassen“ ist nun das Leitmotiv der Handlung
und so machen sich Cooper, Brand, Romilly und Doyle mit den innovativen Robotern Tars und Case auf den Weg durch die Raumzeit, um Projekt Lazarus zum Erfolg zu führen.

Ob sie es schaffen und wie sie das versuchen, erfahrt ihr im Lichtspielhaus eures Vertrauens.

Der Cast ist erhaben, Matthew McCanaughey beweisst, warum er mittlerweile oscraprämiert ist.
Ausserdem gibt es noch einen WTF-Moment mit einem bekannten Darsteller, den man nicht erwartet hätte. Lasst euch überraschen.

Lasst euch überraschen

Im Film ist die Dramaturgie immer spürbar, man wird quasi in den Kinosessel gedrückt vor Spannung (wobei der Soundtrack seinen Teil sehr gut beiträgt).
Selten habe ich Musik so symbiotisch, stimmungsabhängig und wichtig empfunden, wie sie Hans Zimmer komponierte und einsetze.
Nichts anderes als eine Orgel konnte diese Bilder klarer darstellen.
Es gibt auch kleine Momente in diesem Film, die auch für sich stehen können.
Der Moment, in dem ein nahender Sturm auf Kopfhörern gehört im Dunstkreis der Venus beruhigend wirken kann, weil zwischen Leben und Tod nur wenige Zentimeter stehen.
Das Erleben von mehr als 20 Jahren komprimiert in wenige Stunden, weil Fehler unverzeihbar sind.
Die Erkenntnis, das Menschen eben doch Menschen sind, egal, wie weit weg von der Heimat oder wie viele sie sind.

Natürlich darf man auch gerne Kritik äußern.
Man will Nolan nicht alles abkaufen, es wird auch absurd und trotz allem passt das alles.
Für viele ist er wahrscheinlich auch zu lang, aber diese Zeit braucht dieser Film auch.
Und ja, jedes Wort hat Gewicht und die Dialoge sind gewählt – man erwartet aber auch keine Komödie

Nolan beim Dreh