Wer war Bruce Lee's Meister

Bruce Lee ist fast jedem ein Begriff. Selbst Personen die mit Kampfsport nicht viel anfangen können, kennen diese Persönlichkeit. Im Jahre 2008 kam der Film „Ip Man“ aus Hongkong auf die Bildfläche.

Ein Gastbeitrag von Lars Wiehe a.k.a. Lars Vegas.

Dieser war eine Biografie von Lees Lehrer. Der Film kam bei Kritikern sowie Zuschauern so gut an, dass zwei Jahre später eine Fortsetzung realisiert wurde. Im Jahre 2015 entschloss man sich einen weiteren und letzten Teil der Reihe ins Leben zu rufen. Wie schon in den ersten beiden Teilen war der Stab um Hauptdarsteller Donnie Yen, Regisseur Wilson Yip, Produzent Raymond Wong und Autor Edmond Wong wieder zusammen gekommen. Außerdem konnte man für den letzten Teil noch Mike Tyson und Action Choreograph Yuen Woo Ping verpflichten, was den Film zudem noch interessanter machen sollte.

1959 in Hong Kong. Inzwischen lebt der berühmte Wing Chun-Großmeister Ip Man („Donnie Yen“) zurückgezogen. Er lebt ein friedliches Leben mit seiner Familie. Die Kämpfe der Vergangenheit liegen hinter ihm, doch eine Bande brutaler Gangster unter der Führung des korrupten US-Bauspekulanten Frank („Mike Tyson“) will sich immer mehr Land gewaltsam unter den Nagel reißen. Als dieser sich die Grundschule aneignen will, in der der Sohn von Ip Man zur Schule geht, eskaliert die Situation. Meister Ip und seine Schüller können da nicht tatenlos zusehen und versuchen mit allen Mitteln die Schule zu schützen. Ein Kampf mit Frank scheint unausweichlich. Außerdem wird er vom begabten Wing-Chun-Wettkämpfer Cheung Tin-chi („Jin Zhang“) zum Duell herausgefordert, in welchem der wahre Großmeister des Wing Chun ermittelt werden soll.

Das Verhältnis zu seiner Frau steht im Vordergrund

Im dritten Teil der Reihe steht das Verhältnis zwischen Ip Man und seiner Frau Wing-sing („Lynn Hung“) im Vordergrund. Wurde im ersten Teil noch das Leben unter der Sino-Japanischen Besetzung thematisiert, hatte man sich im zweiten Teil die Auseinandersetzung mit den britischen Besatzern zum Hauptthema gemacht. Nun wurde im dritten Teil also die ruhigere und zwischenmenschliche Situation der Familie Ip Mans in den Fokus gestellt. Das funktioniert auch ziemlich gut. Zu Beginn hat der Großmeister nur das Wohl der Schule im Sinn ohne jedoch auf die Signale seiner Frau zu achten. Das Verhältnis droht zu zerbrechen. Erst die Mitteilung über den Gesundheitszustand seiner Frau lässt Ip Man umdenken. Nun gilt seine volle Konzentration der Genesung seiner Frau. Gerade in den ruhigen Szenen wie etwa in der Tanzschule kann der Film durchaus glänzen. Weiterhin wurde die Krebserkankung der Ehefrau für chinesische Verhältnisse eher zurückhaltend inszeniert was dem Film durchaus zu Gute kommt. Hier wurde auf die bekannte theatralische und kitschige Inszenierung verzichtet, die man sonst aus den fernöstlichen Ländern kennt.

Fight!

Was natürlich nicht heißt, dass der Film den Actionfan nicht zufrieden stellt, beziehungsweise, dass es wenig kampferprobte Auseinandersetzungen zu sehen gibt. Mit Nichten, der Film bietet ein gesundes Maß an Action. Diese kommt auch sehr häufig vor. Sie dient wunderbar als Kontrast zu den ruhigen Familienszenen. Die größte Frage des Interessenten bleibt natürlich: Wie ist der Kampf zwischen Donnie Yen und „Iron“ Mike Tyson? Der Kampf hat es wirklich in sich. Mike Tyson bietet einen wunderbaren Kontrahenten. Volle drei Minuten gibt es einen intensiven Schlagabtausch der beiden Ausnahmekönner. Für die einigen vielleicht zu kurz aber man bekommt schon einen prächtigen Kampf geboten, der (fast) keine Wünsche offen lässt. Ansonsten wird auch an anderen Kampforten gute Action geboten. Durfte es der Held im ersten Teil  noch mit zehn Kämpfern gleichzeitig aufnehmen, sind es hier nun elf, die ihm gleichzeitig ans Leder wollen. Auch diese Szene verfügt über einige geile Aktionen aber so legendär wie im ersten Teil war diese dann leider doch nicht. Weiterhin lässt der Endkampf ein bisschen Tempo vermissen. Gerade seine kurze Laufzeit ist doch ein wenig enttäuschend. Hier hätte man nochmal so richtig aufs Gas treten können. Desweiteren werden die Kampfszenen wieder mal mit zu viel Wire-Work ausgeführt. Das merkt man an einigen Aktionen schon sehr deutlich. Die alten Zeiten des Hongkong Kinos sind dann was sowas angeht, wohl endgültig vorbei. Sehr schade, denn die Thailänder um Tony Jaa („Ong-Bak“) oder die Indonesier mit Iko Uwais („The Raid“) zeigen, wie man auch ohne Seilen ordentliche Kampfszenen kreieren kann. Es sieht an einigen Stellen zwar sehr spektakulär aus lässt aber gleichzeitig die Bodenständigkeit vermissen. Action-Choreograph Yuen Woo Ping („Iron Monkey“) gilt als führender Mann seines Fachs, bei dem sich schon Hollywood mit Rat und Tat bediente. War er doch für die Fight Choreographien in der „Matrix Trilogie“ sowie im Zweiteiler Kill Bill zuständig. Leider bleibt er auch hier seinem Wire Work Stil treu, was doch auf dem realistischen Hintergrund ein kleiner Wermutstropfen ist.

Der Konflikt bahnt sich an

Hauptdarsteller Donnie Yen („SPL: Killzone“,“Flash Point“) agiert wie schon in den ersten Teilen als ruhiger Pol, welchen nichts aus der Fassung bringen kann. Das zurückhaltende und immer freundliche Gemüt eines Ip Mans bringt der Schauspieler bestens auf die Leinwand. Zwar schwächelt er bei den intensiven und traurigen Szenen des Filmes aber das fällt nicht weiter ins Gewicht. Seine Kampfkünste stehen wie auch in seinen anderen Filmen außer Frage. Seine Ehefrau wird wie in den ersten Teilen vom ehemaligen Model Lynn Hung („All’s Well, End’s Well“) gespielt. Wie schon in den anderen beiden Teilen kann Sie sich nicht in den Vordergrund spielen. Sie holt zu wenig aus Ihrer Rolle heraus. Der Kontrahent wurde mit Jin Zhang („Lethal Warrior“) durchaus annehmbar besetzt. Seine Kampfkünste sind durchaus überzeugend. Schauspielerisch ist auch dieser bestenfalls solide. Patrick Tam als Schurke kommt als Nebendarsteller noch am Besten weg. Seine Darstellung ist öfter mal etwas übertrieben aber kann durchaus ein bisschen Humor in den Film bringen. Hongkongs Urgesteine Kent Cheng („Hard to Die“) und Ka-Yan Leung („True Legend“) unterstützen die erste Garde in besten Belangen. Danny Chan („Kung Fu Hustle“) spielt schon wie in der Bruce Lee Biografie „The Legend of Bruce Lee“ den berühmtesten Schüler Ip Mans. Vor Produktionsstart war angedacht, Bruce Lee als CGI Figur in den Film zu integrieren aber davon wurde dann doch abgelassen. Danny Chan macht zudem einen guten Job. Zu guter letzt haben wir noch Mike Tyson, der als Antagonist durchaus überzeugt. In seinen kurzen Szenen kann er den bedrohlichen Charakter prima ausspielen.

2 gegen 1 ist ja noch fair

Auf dem Regieplatz hat wieder Donnie Yens Kumpel Wilson Yip („Dragon Tiger Gate“) Platz genommen. „Ip Man 3“ ist bereits die fünfte Zusammenarbeit der beiden Freunde. Die vergangenen fünf Jahre, die seit dem zweiten Teil ins Land gestrichen sind, haben sich als kreative Pause herausgestellt. Yip weiß wie man Bilder kreieren kann. An seiner Inszenierung ist nichts  auszusetzen. Er holt das Maximum aus dem Budget raus. Dieses betrug immerhin 36 Millionen Dollar. Gerade seine bodenständigen Filme zeigen sein Talent. In den Fantasyfilmen oder Komödien ist sein Talent eher verschwendet. Hier bewirbt er sich zumindest auch auf internationler Ebene und nachdem man ihn nach „SPL: Killzone“ nicht beachtet hatte, könnte dieses nun endgültig erfolgen.