(Fast) alles richtig gemacht

Ein Gastbeitrag von Lars

Nach ein paar Flops ist er mit einem kleinen Paukenschlag zurück gekommen. Die Rede ist von Keanu Reeves. Der sympathische Schauspieler, der mit seinen letzten Filmen kein sonderlich gutes Händchen bewiesen hatte und den viele nicht mehr auf der Rechnung gehabt haben aber wie heißt es doch so schön: Tot gesagte leben Länger. Das gerade der mit 20 Millionen billig produzierte Actioner „John Wick“ ihn wieder in aller Munde erscheinen lässt, war nicht wirklich mit zu rechnen.

John Wick zurück aus dem frühzeitigem Ruhestand

Nach fünf glücklichen Ehejahren, die mit dem Tod seiner Frau tragisch endeten, zieht sich John Wick (Keanu Reeves) in seine Trauer und seine Luxusvilla zurück. Womit er sich letztere verdient hat, ahnen die drei Männer nicht, die eines Nachts dort einbrechen, Wicks Hund töten, sein Auto klauen und ihn halbtot zurücklassen. Ein schwerer Fehler, denn der ehemalige gefürchtete Auftragskiller zieht fortan auf einen blutigen Rachefeldzug, der auch vor dem Vater des Haupttäters, einem mächtigen russischen Mafiapaten (Michael Nyqvist), nicht Halt macht.

Schnörkelloser Actionfilm ohne viel Schnickschnack

Der Film macht keinen Hehl daraus was er zu sein scheint. Nämlich ein schnörkelloser Actionfilm ohne viel Schnickschnack. Ähnlich wie „Taken“ oder „Shoot em up“ gibt es hier nach der kurzen Einführung nur noch bleihaltiges zu bestaunen. Die Action kann sich sehen lassen. Hier wird geschossen, geprügelt, gesprengt und geblutet was das Zeug hält. Dabei sind die Actionszenen sauber gefilmt. Der Zuschauer kann alles wunderbar verfolgen und die Szenen gehen nicht in einem Schnittstakatto wie etwa bei „Taken 3“ oder anderen neuwertigen Actionfilmen letzterer Zeit unter. Die Action ist schön oldschool lastig, wie man es aus den Filmen der 80er Jahre her kennt. Der Härtegrad der hier an den Tag gelegt wird, ist ziemlich hoch. Das Blut spritzt hier und da schon mal ordentlich aus den Körpern. Daher ist die Freigabe von 16 Jahren schon sehr wohlwollend angesetzt worden. Optisch zu Gute kommt dem Film, dass die Untertitel wie in einem Comic eingebaut werden. Comichaft passt auch zur Action, wenn die Titelfigur sich durch scharenweise Gegner ballert. Die Disco Szene oder auch der Beginn in dem Haus von John Wick sind schon Höhepunkte, die man in letzter Zeit im Actionkino vermisst hat. Die Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern ist zwar kurz und knackig, dafür aber sehr intensiv. Nur der Showdown fällt dagegen leider etwas ab. Hier hätte man gerne nochmal eine richtige Knallerszene gesehen.

Die Ursache der Gewalt in den Händen von John Wick

Das Drehbuch vom genreerprobten Derek Kolstad („The Package“,“One in the Chamber“) bietet zwar keine innovative Story aber genügend Drive um den Zuschauer immer bei der Stange zu halten. Verschnaufpausen gibt es nur ganz selten. Die Handlung ist wie bei etlichen B-Movies nur Mittel zum Zweck. Sie dient nur zum Vorantreiben der Action. Ansonsten gibt es hier keine Besondernisse, keine doppelte Böden oder andere Storytwists. In den 70ern wäre das eine Rolle für Charles Bronson („Death Wish“) gewesen, denn der ist schon für weniger Gründe losgezogen. Das Motiv hier von Hund und Auto mag zwar banal wirken, wird aber im Film passend erklärt. Die beiden Objekte stehen sinnbildlich zur Liebe seiner Frau. Man darf zwar wie in jedem Rache Film die Selbstjustiz anzweifeln aber man sollte diesen comic-haften Film nicht zu Ernst nehmen. Gerade zu den Hochglanz Hollywood Filmen ist „John Wick“ eine passende Abwechslung. Einzig und allein stößt es einem sauer auf, dass die Hauptfigur keinen ebenbürtigen Gegner serviert bekommt. Sofern man mal von Kampfsport Experte Daniel Bernhardt („Bloodsport 2+3“) absieht. Dieser spielt die Rolle des Bodyguards durchaus solide. Denn leider sind die meisten Akteure nur Kanonenfutter was den Film doch ein wenig an Spannung kostet. Sei es drum, der Film macht trotzdem einfach nur Laune.

Vater und Sohn in vertrauter Zweisamkeit – Game of Thrones erobert das Kino (zumindest einige Darsteller)

Bei der Regie durften David Leitch (allerdings nicht in den Credits erwähnt) und Chad Stahelski ihr Debut geben. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten irgendwelche Newcomer die Leitung übernommen. Doch auf den zweiten Blick erkennt man, dass die beiden erfahrene Stuntleute sind, die Ihre Brötchen schon in dutzend bekannter Actionfilmen wie „300“,“V wie Vendetta“ oder „Matrix“ verdient haben. Stahelski ist auch der derjenige, der Keanu Reeves bei den meisten seiner Stunts doubeln darf. Seine Kickbox Fähigkeiten durfte er nicht nur in „Man of Tai-Chi“ unter Beweis stellen. Ihre Regie ist schnörkellos und brauch sich vor seinen Genre Vertretern nicht verstecken. Gerade durch sein enormes Tempo ist er doch noch ein Tick besser geworden, als der ähnlich gelagerte „The Equalizer“ und besser als Liam Neesons dritter „Taken“ Versuch ist er sowieso. Einzig allein „Jack Reacher“ war in seiner Machart noch eine Spur besser, wobei dieser sich auch auf ein besseres Skript stützen konnte.

John Wick im Gespräch mit seinem alten Arbeitgeber

Keanu Reeves („Speed„,“Matrix„) macht in der Hauptrolle eine sehr gute Figur. Die Rolle des immer in schwarz gekleideter Rächer liegt im blendend. Seine Rolle erinnert an solche Personen wie Lee Marvin in „Point Blank“ oder Mel Gibson im modernen Remake „Payback“. Die meisten seiner Stunts soll er selbst ausgeführt haben und wenn man die MMA Moves so ansieht, dann kann man vor Ihm nur den Hut ziehen. Als Nebendarsteller fungieren Adrianne Palicki („G.I. Joe 2“) als Killer Kontrahentin, die sichtlich Spaß an Ihrer Rolle gehabt hat. Außerdem dürfen die alten Recken wie Willem Dafoe („The Boondock Saints“) und Ian McShane („Deadwood“) zeigen was sie drauf haben, gerade McShane zieht förmlich jede Szene an sich. Alfie Allen lässt als Bösewicht seinen Serien Charakter aus „Game of Thrones“ wieder aufleben, gekennzeichnet von Hochmut und Überhehblichkeit. Mit Michael Nyquist („Verblendung“) konnte man einen wirklichen charismatischen Gegenspieler verpflichten. Schauspielerisch kann man dem Mann nichts vorwerfen. Sein Spiel ist überaus glaubwürdig und bietet diesmal bessere Performance als Hauptantagonist als noch in „Mission Impossible: Phantom Protokoll“. Dazu gesellen sich noch Dean Winters („P.S. I love you“), Lance Reddick („The Wire“) mit als guter Support. John Leguizamo („Kick-Ass 2“) und Bridget Moynahan („I Robot“) mit jeweils einer Mini Rolle, die nicht der Rede wert ist.

Eine Frau bricht gerne die Regeln