A walk among the Tombstones

Ein Gastbeitrag von Lars

Vor dem Jahr 2008 und dem Überraschungserfolg „Taken“ hätte niemand ernsthaft daran geglaubt, dass Charaktermime Liam Neeson („Rob Roy“,“Schindlers Liste“) sich mal als angesagter Actionstar durch die Kinosääle prügelt. Nun mittlerweile haben wir das Jahr 2014 und von Abnutzungserscheinungen keine Spur. Neeson ist angesagter denn je und lässt die Kassen klingeln. Auch sein neuester Streich „A walk among the Tombstones“ ist wieder ordentliches Actionkino, diesmal aber der eher ruhigeren Sorte.

Matt Scudder (Liam Neeson) ist ein ehemaliger Polizist, der nun als unlizenzierter Privatdetektiv sein Geld verdient. Er wird von dem Drogenhändler Kenny Kristo (Dan Stevens) beauftragt, die Männer, die seine Frau entführt und ermordet haben, zu finden und zu ihm zu bringen. Anfangs lehnt Scudder den Auftrag ab, nachdem Kristo ihm aber erklärt hat, wie seine Frau getötet wurde, nimmt er den Auftrag doch an. Nach einigen Nachforschungen denkt er, dass die Bande, die er sucht, solche Taten schon oft durchgezogen hat. Und die letzte wird es wohl auch nicht gewesen sein.

Liam Neeson als Hard-Boiled-Detective

Die Geschichte um Ruhet in Frieden, so der deutsche Titel ist genauso lang wie der englische Originaltitel. Im Jahr 2002 wurde das Projekt erstmals aufgenommen. Damals sollte noch Joe Carnahan („Narc“,“Smokin Aces“) auf dem Regiestuhl platznehmen und Harrison Ford („Star Wars“,“Indiana Jones“) die Hauptrolle bekleiden. Scott Frank („The Lookout“) war damals schon als Drehbuchautor beauftragt worden. Allerdings kam es nie zur Produktion. Im Jahr 2011 wurde das Projekt aus dem Giftschrank geholt und mit Regisseur D.J. Caruso („Disturbia“,“Eagle Eye“) ein Neuanfang gewagt, allerdings blieb auch Caruso nicht lange an Bord. So wurde die Regie im Jahre 2012 auf Schreiber Scott Frank übertragen und mit Liam Neeson der Hauptdarsteller für die Rolle des Matt Scudders verpflichtet.

Wer bei „Ruhet in Frieden“ ein ähnliches Actionspektakel wie bei der Taken Reihe erwartet, sollte seine Erwartungen gewaltig senken. Die Action steht bei diesem Krimithriller definitv im Hintergrund und wird nur spärlich eingesetzt. Wobei der Beginn fulminant losgeht, eine Schießerei inklusive Verfolgungsjagd. Welche sehr nüchtern ohne viel Schnickschnack in Szene gesetzt wurde, dafür aber umso realistischer. Die Verfolgungsjagd zu Fuß erinnert an einen klassichen Western, wo sich die Menschen auf offener Straße beschossen haben.  An den ersten Szenen kann man erkennen, dass der Film relativ düster ausfällt und geradlinig inszeniert wird. Im späteren Verlauf wird es auch zunehmend düsterer und bedrohlicher. Denn soweit sich die Figur an die Enführer ranpirscht, geht es für alle Beteiligten um Leben und Tod. Die Action mag zwar nicht so häufig in Erscheinung treten, tut aber Ihren Zweck und treibt den Film voran. Letztendlich punktet der Film durch seine spannende Story und die passende Atmosphäre. Die meiste Zeit ist die Optik dunkel und grau ohne viel Licht oder Sonne. So wird auch der Showdown zu unchristlicher Zeit um kurz vor Mitternacht den Zuschauern vor Augen geführt. Wie in den anderen Actionfilmen von Neeson zuvor wird auch hier einiges an Brutalität gezeigt. Eine Palette von blutigen Körpertreffern, Folterungen und Schlägereien gibt es hier zu betrachten aber die wirkliche Gewalt spielt sich im Kopf ab. Wenn die Entführer Ihre Opfer auskundschaften, wo man denkt, dass solche Leute bloß nicht in der eigenen Nachsbarschaft umherfahren. Hier spielt dann der Film die ganze Bedrohlichkeit aus. Zum Anderen wird gezeigt mit welcher Freude die Bösewichte bei der Sache sind. Die Entführer sind wirkliche Sadisten, die sichtlich Spaß am foltern haben. Großartig die Szene wo die Entführer ihr nächstes Opfer, die kleine Tochter vom Drogenboss, auskundschaften und auserwählen. Hier wurde die Szene mit Atlantis von Donovan untermalt. Wobei es dann dem Zuschauer kalt den Rücken runter läuft. Die Unschuld des kleinen Kindes wird durch die Musik noch verstärkt und dennoch hat  Sie kaum eine Chance zur Flucht. Das Verhältnis von Musik zum Bild ist schon ziemlich bitter mitanzusehen.

Der eher auf Drehbücher spezialisierte Autor und Regisseur Scott Frank, der schon für viele Blockbuster wie „Minority Report“, „Out of Sight“ sowie „Die Dolmetscherin“ die Drehbücher schrieb, fühlt sich auf dem Krimithriller Terrain wie zu Hause. „Ruhet in Frieden“ ist seine zweite Regiearbeit und konnte sich nach dem „Memento“ für die MTV-Generation namens „The Lookout – Die Regeln der Gewalt“ doch um einiges steigern, wobei er seinem nüchteren und kalten Stil treu bleibt. Wie schon in bei „The Lookout“ ist die ganze Szenerie ziemlich kalt und emotionslos gehalten. Sein Stil erinnert an „Jack Reacher“ oder an die Serie „Justified“. Sein Film hätte auch besser in die 80er gepasst, wo man eher auf die Thriller ohne viel Schnickschack gesetzt hat.

Hauptdarsteller Liam Neeson („Star Wars Episode 1“) drückt den Film wie gewohnt seinen Stempel auf. Der lange irische Hühne trägt den Film zu jeder Zeit und ist wie gewohnt eine Bank. Nahkämpfe braucht er hier nicht anzuwenden aber als cooler Ermittler hinterlässt er einen sehr brauchbaren Eindruck. In den Nebenrollen wird er von Shootingstar Dan Stevens („The Guest“,“Downtown Abbey“) ergänzt, der die Rolle des Drogendealers Kenny Kristo routiniert herunter spielt, allerdings ohne sich nachhaltig in das Gedächtnis zu brennen. Anders sieht es mit dem jungen Brian „Astro“ Bradley („Earth to Echo“) aus, der sich als  TJ als wunderbarer Sidekick von Liam Neeson herausstellt. Seine Performance bringt frischen Wind in den Film und kann mit frechen Sprüchen punkten sowie das Publikum begeistern. David Harbour („Rake“,“End of Watch“) und Adam David Thompson („+1“) spielen das Killerduo durchaus überzeugend in Ihrer skurilen Art und Weise. Eric Nelsen („All my Children“) kann als Junkie und Support ebenfalls durchaus überzeugen.

Dabei ist „Ruhet in Frieden“ gar nicht das erste Mal, dass ein Film über Matt Scudder das Licht der Welt erblickt hat. Die von Lawrence Block erfundene Figur wurde bereits im Jahre 1986 mit Jeff Bridges („The Big Lebowski“,“True Grit“) als Hauptdarsteller und unter dem reißerischen Titel „8 Millionen Wege zu sterben“ für das Kino adaptiert. Welcher allerdings am Boxoffice schrecklich baden ging und nicht mehr als anderthalb Millionen einspielen konnte. So wurde damals das Franchise gleich wieder begraben.

Woher „Ruhet in Frieden“ seine Innovation bekommt wird auch in den Gesprächen zwischen Scudder und seinem Protege TJ klargestellt. Hier werden die bekannten Genregrößen Philip Marlowe oder Sam Spade als Hommage und Vorlage zitiert. Romanautor Lawrence Block hat sich ebenfalls mit der Figur des Matt Scudders seinen eigenen Hard-Boiled Detektiv erschaffen wie es die berühmenten Vorbilder von Raymond Chandler und Co ihm vorgemacht haben. Die Story ist vielschichtig und durchaus spannend erzählt. Allerdings kommen hier auch die großen Schwächen des Films zum Tragen. Die Antagonisten werden zu früh entlarvt oder der Zuschauer kommt mit den Figuren und Ihren Zusammenhängen nicht hinterher. Entschädigung dafür gibt es allerdings bei den großartigen Wortwechseln zwischen den Entführern und Ermittler Scudder. Ein weiteres Highlight ist die Verhörung des Friedhofsgärtners, welches diesen ernsten Thriller zur Abwechslung mal auflockern kann.