Zeiträuber mit Potenzial

Sid Meier hat wieder etwas Altes neu rausgebracht.

Rückblickend auf alte Alpha Centauri-Zeiten mit den erlangten Erkenntnissen aus bereits 5 Teilen Civilization kommt jetzt quasi ein Civilization im Weltraum, dass gar kein Alpha Centauri-Nachfolger sein will.

Zeitlich passend in die Stimmung von Interstellar erscheint dieses Spiel, in der man quasi den Film weiterspinnen kann.Hierbei bleibt zu hoffen (und davon gehe ich auch aus), dass das Spiel – wie auch die Civilization Spiele – durch Addons noch zu einem runderen Spielerlebnis wird.
Wie auch die Vorgänger ist Beyond Earth ein rundenbasiertes Spiel.

Grafisch wirkt das ganze etwas aufgefrischter als der Vorgänger, reißt aber auch keine Bäume aus.
Hervorzuheben ist aber der in sich stimmige Soundtrack. Auch die Anführer sind landestypisch vertont und reagieren je nach Stimmung auch in der jeweiligen Sprache.

Im Grunde sind alteingesessene Civilization-Spieler klar im Vorteil. Es gibt feine und auch gravierende Unterschiede. Speziell das Forschungssystem lässt gewohnte Spieler aufschreien.

Forschung, Parteien & Affinitäten

Dieses ist nicht mehr vorgefertigt und gradlinig aufgebaut und dementsprechend mit erreichbaren Epochen aufgeteilt.Der jetzige Forschungsnetz kann von Vorteil sein, erlaubt es doch individuelle Spezialisierungen in verschiedene Richtungen,
Es wirkt aber am Anfang verwirrend und dauert eine Weile, bis man den Dreh raus hat.
Dadurch können Spieler auf verschiedene Arten Vorteile erlangen und auch ihre Affinitäten forcieren.
Viele Spieler lassen sich hier vielleicht abschrecken, da man sich auch gerne mal an die Hand nehmen lässt. Die zuschaltbaren Berater helfen hierbei etwas.
Manche Forschungsprojekte lassen sich auch in der Umgebung finden, hier sind alte Siedlungen und auch abgestürzte Satelliten als auch Alien-Relikte zu finden, die schnellen Findern Belohnungen bieten.
Auch alternative Questreihen lassen sich finden, die aber die Haupthandlung nicht beeinflussen – stellen aber eine nette Abwechslung dar.

Der Start geht natürlich mit der Wahl der Parteien einher.
Diese sind anfangs noch recht identifikationslos. Man wählt ein paar Bonusse beim Start, die aber nicht wirklich entscheidend sind. Die Kontinentalränder zu kennen, hat anfangs weniger Vorteil, weil die Expansion doch etwas länger dauert als in Civilization-Spielen.
Ein Gesicht bekommt man quasi erst durch die Wahl der Affinität, die auch die Spielweise bestimmt.
Außerdem sind da noch im Spiel Stationen, die parteilos sind, bei Handel spezielle Güter liefern können und auch einige Quest auslösen können.
Es gibt diplomatische Reaktionen, das Spielziel ist im Grunde festgelegt und der Umgang miteinander und der heimatlichen Bevölkerung, die wir ja besetzen geht damit Hand in Hand.
Bestimmte Forschungsziele geben jeweils Punkte für Affinitätsstufen.

Es gibt 3 verschiedene Arten: (Achtung, SPOLER in den Klammern)

  1. Vorherrschaft (Mischung aus Mensch und Maschinen, Spielziel: Erde als Eroberer erreichen)
  2. Reinheit (Besonders gute Verteidigung gegen Aliens, Spielziel: Erdbevölkerung auf neuer Heimat aufnehmen)
  3. Harmonie (Versucht, mit den Aliens und der Welt eine Einheit zu bilden, Spielziel: Das kollektive Bewusstsein des Planeten anzapfen und selbst ins Kollektiv übergehen [Wir sind die Borg ‚Haha]) SPOILER Ende

Trailer zum Spiel

Werte, Einheiten & Handel

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Werte, welche durch Kulturpunkte gesteigert werden und ein Pendant zu den Sozialpolitiken in der Civ5-Reihe darstellen.
Ergänzungen für die Handlungs- und Spielweise aber auch einzelne taktische Neuerungen sind hierbei drin.
Das typische „1 Bautrupp/Siedler gratis“ ist natürlich auch bei. Eingeteilt wird das ganze in Militär, Forschung und Wirtschaft.

Das Geld wird im Spiel durch Energie ersetzt.
Damit lassen sich sowohl Einheiten, Geländefelder als auch Bauprojekte (ausser Wunder) kaufen, Handel betreiben und dient dem Unterhalt.
Die Gesundheit sollte auch nicht unterschätzt werden. Expandiert man zu schnell, gibt es zu viele Bewohner, die Gesundheit sinkt und die Produktion stagniert.
Gesundheit lässt sich natürlich durch Werte und Bauprojekte und Forschung erhöhen – also immer mit Bedacht Expandieren.
Eine neue Siedlung muss sich auch erstmal entwickeln – das dauert ein paar Runden, kann durch Handelswege aber beschleunigt werden – bevor eine Stadt daraus entsteht.

Unsere Einheiten werden nicht durch Epochen und Technologien modernisiert, sondern durch Affinitätspunkte.
Hierbei sind auch Kombinationen aus Affinitäten möglich. Es gibt eine Standarteinheit, die Erfahrung sammeln kann, dieser Levelaufstieg hat aber kaum Auswirkungen auf die Stärke.
Steigen die Einheiten um ein paar Level, sind diese auch bemerkbar.
Neu sind mittlerweile Orbitaleinheiten, Satelliten bzw. auch ausserirdische Einheiten im Orbit.
Diese haben meist erhöhte Geländeeigenschaften im Repertoire, entfernen Miasma, dienen auch dem Angriff oder teleportieren Einheiten.
Pro Hexfeld kann eine Einheit stehen, was taktisch interessant ist, da nicht mehr Armeen auf einem Feld stehen können und somit der
Angriffskraft pro Runde auch Grenzen gesetzt sind.

Handelseinheiten sind in diesem Spiel auch enorm wichtig, gerade am Anfang sind sie sehr mächtig.
Die Ressourcen, die zwischen eigenen Städten oder auch anderen Parteien gehandelt werden, sind ganz schön viel – vielleicht zu viel.
Was aber nach einer Weile und mehreren Städten (man kann 2-3, mit Wunder auch 5 (hierbei nur in einer Stadt) Handelsrouten pro Stadt einrichten.
Diese muss man alle 10 Runden neu zuweisen.
Ein Handlungsberater, den man optimieren kann, wie bei den Bürgen im Städtemenü, wäre schön.
Diesem könnte man dann Prioritäten bei den zu handelnden Gütern zuweisen und der Berater sucht sich immer die optimalste Route.
Vielleicht wird das ja was in einem Addon.

Auch zwischen den verschiedenen gibt es natürlich Handel
Neu sind hierbei die Gefallen, ab und an wird man nach Forschungsunterstützung oder Rohstoffen gefragt und kassiert dafür die Gefallen ein.
Dumm nur, dass diese gesammelten Gefallen oft nicht als Handlungsmittel akzeptiert werden bzw. zu gering bewertet werden.

Spionage ist natürlich auch dabei.
Gut ausgebildete Spione können ganze Städte sabotieren. Das dauert entsprechend lange und oft klappt das auch nicht.
Man kann die Spione auch zur Spionageabwehr nutzen, was durchaus erfolgreich ist.

Geschafft!

Hat man es dann nach mehreren Nächten endlich geschafft, sein Spielziel zu erreichen, wird man sicherlich etwas enttäuscht.
Wird man noch Anfangs mit einer atmosphärischen Einleitungssequenz empfangen, wird man bei einem der 5 möglichen Siegvarianten
lieblos mit einem Textfenster abgespeist, was auch den Wiederspielwert trübt.
Ganz klar ist hier der Weg das Ziel und man vergisst Stunde um Stunde.